Selbstregulation bei Kindern: Ab wann können Kinder ihre Gefühle selbst regulieren?
„Ab wann sollte sich mein Kind eigentlich selbst regulieren können?“
Diese Frage beschäftigt viele Eltern – besonders dann, wenn Gefühle plötzlich sehr groß werden: Das Kind schreit, weint, wird wütend, wirft sich auf den Boden oder scheint sich überhaupt nicht mehr beruhigen zu können.
Schnell entsteht der Eindruck: Das müsste es doch langsam können.
Doch Selbstregulation ist keine Fähigkeit, die ab einem bestimmten Geburtstag plötzlich vorhanden ist. Sie entwickelt sich über viele Jahre – und beginnt viel früher, als wir häufig denken.
Was bedeutet Selbstregulation bei Kindern?
Selbstregulation beschreibt vereinfacht die Fähigkeit, eigene innere Zustände wahrzunehmen und zunehmend beeinflussen zu können.
Dazu gehören zum Beispiel:
- mit starken Gefühlen umzugehen
- Impulse zunehmend kontrollieren zu können
- Anspannung wieder herunterzufahren
- Frustration auszuhalten
- Aufmerksamkeit zu steuern
- nach Aufregung wieder zur Ruhe zu finden
Das Entscheidende dabei: Kinder lernen diese Fähigkeiten nicht allein.
Bevor sie sich zunehmend selbst regulieren können, erleben sie Regulation immer wieder gemeinsam mit ihren Bezugspersonen.
Genau hier kommt die Co-Regulation ins Spiel.
Selbstregulation beginnt schon im Babyalter
Auch Babys versuchen bereits, mit Reizen und Anspannung umzugehen.
Ein Baby kann beispielsweise:
- saugen
- den Blick abwenden
- nach etwas greifen
- sich an eine vertraute Person anschmiegen
- Nähe suchen
Das sind erste Möglichkeiten, mit innerer Anspannung oder äußeren Reizen umzugehen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Baby seine Gefühle bereits selbstständig regulieren kann.
Gerade bei Müdigkeit, Hunger, Schmerzen, Überforderung oder starken Emotionen ist es auf Erwachsene angewiesen.
Ein Baby kann noch nicht denken:
„Das ist gerade zu viel für mich. Ich beruhige mich jetzt.“
Es braucht einen Menschen, der seine Signale wahrnimmt, reagiert, Nähe anbietet und ihm hilft, wieder in einen ruhigeren Zustand zu finden.
Co-Regulation: Erst gemeinsam, später immer mehr allein
Wenn ein Kind weint und wir es trösten, wenn wir bei einem Wutanfall ruhig bei ihm bleiben oder wenn wir einem aufgeregten Kind helfen, seinen Körper wieder zu beruhigen, übernehmen wir einen Teil der Regulation.
Das ist Co-Regulation.
Und sie ist kein Gegensatz zur Selbstständigkeit.
Im Gegenteil: Wiederholte Erfahrungen von Co-Regulation können eine wichtige Grundlage dafür sein, dass Kinder nach und nach eigene Möglichkeiten im Umgang mit Gefühlen und Anspannung entwickeln.
Aus dem gemeinsamen Regulieren kann mit zunehmender Entwicklung immer mehr Selbstregulation entstehen.
Ab wann können Kinder sich selbst regulieren?
Darauf gibt es keine feste Altersangabe.
Die Fähigkeit zur Selbstregulation entwickelt sich schrittweise über Kindheit und Jugend hinweg. Dabei spielen unter anderem die individuelle Entwicklung, Temperament, Situation, Müdigkeit, Stress und die Intensität eines Gefühls eine Rolle.
Ein Kind kann deshalb in einer Situation bereits erstaunlich gut mit Frust umgehen – und kurze Zeit später wegen einer scheinbaren Kleinigkeit völlig verzweifeln.
Das ist kein Widerspruch.
Denn eine Fähigkeit grundsätzlich zu besitzen bedeutet noch lange nicht, sie in jeder Situation zuverlässig abrufen zu können.
Gerade unter Stress wird das deutlich.
„Aber mein Kind weiß doch, wie es geht.“
Vielleicht hast du deinem Kind schon gezeigt, tief durchzuatmen.
Vielleicht kennt es Möglichkeiten, mit Wut umzugehen.
Vielleicht habt ihr darüber gesprochen, was helfen kann, wenn alles zu viel wird.
Und trotzdem funktioniert davon mitten im Gefühlsausbruch plötzlich nichts.
Das bedeutet nicht automatisch, dass dein Kind nicht möchte.
Wissen bedeutet nicht automatisch Können.
Zwischen „Ich kenne eine Strategie“ und „Ich kann diese Strategie mitten in einem starken Gefühlszustand selbstständig einsetzen“ liegt ein großer Entwicklungsschritt.
Genau deshalb brauchen Kinder Wiederholung, Übung und Erwachsene, die sie weiterhin begleiten.
Warum Kinder bei starken Gefühlen wieder mehr Unterstützung brauchen
Je größer die innere Anspannung ist, desto schwieriger kann es werden, bereits bekannte Strategien anzuwenden.
Vielleicht kennst du das sogar von dir selbst:
In einem entspannten Moment können wir wunderbar darüber sprechen, ruhig zu bleiben. Sind wir selbst müde, gestresst oder emotional aufgewühlt, fällt uns genau das plötzlich deutlich schwerer.
Kindern geht es ähnlich – nur befinden sie sich noch mitten in der Entwicklung dieser Fähigkeiten.
Deshalb kann ein Kind heute etwas schaffen, was ihm morgen überhaupt nicht gelingt.
Und deshalb ist ein heftiger Gefühlsausbruch nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass ein Kind eine Grenze bewusst ignoriert oder sich absichtlich „nicht reguliert“.
Nicht jedes Nicht-Können ist ein Nicht-Wollen.
Wie Eltern Selbstregulation unterstützen können
Kinder brauchen nicht möglichst früh die Erwartung, alles allein bewältigen zu können. Sie brauchen Erfahrungen, aus denen ihre eigenen Fähigkeiten wachsen können.
Hilfreich können beispielsweise sein:
- Gefühle wahrnehmen und benennen
- in schwierigen Situationen Orientierung geben
- Nähe anbieten, wenn das Kind sie möchte
- selbst möglichst ruhig und klar bleiben
- wiederkehrende Rituale schaffen
- Entspannungsmöglichkeiten kennenlernen
- Bewegung und körperliche Regulation ermöglichen
- Atemübungen spielerisch kennenlernen
- nach einem Gefühlsausbruch gemeinsam schauen, was geholfen hat
Dabei geht es nicht darum, jedes Gefühl sofort „wegzumachen“.
Wut, Traurigkeit, Enttäuschung oder Frust dürfen da sein.
Das Ziel ist vielmehr, dass Kinder mit der Zeit erleben:
Ich darf dieses Gefühl haben. Ich bin damit nicht allein. Und ich kann Möglichkeiten kennenlernen, die mir helfen, damit umzugehen.
Selbstregulation kann man nicht erzwingen – aber begleiten
Selbstregulation entsteht nicht durch Sätze wie:
„Beruhige dich jetzt.“
„Du bist doch schon groß.“
oder
„Du weißt doch, wie das geht.“
Kinder brauchen Zeit, Entwicklung und viele wiederkehrende Erfahrungen.
Wir können ihnen nicht jedes schwierige Gefühl abnehmen. Aber wir können sie dabei unterstützen, ihren Körper und ihre Gefühle besser kennenzulernen und nach und nach eigene Strategien zu entwickeln.
Denn das langfristige Ziel ist nicht ein Kind, das keine starken Gefühle mehr zeigt.
Sondern ein Kind, das immer besser versteht:
Was passiert gerade in mir – und was kann mir helfen?
Kinderentspannung & Selbstregulation in Berlin
In meinen Angeboten zur Kinderentspannung und Stressprävention in Berlin dürfen Kinder verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, mit Anspannung, Gefühlen und innerer Unruhe umzugehen.
In meinem Kurs „Stark & ruhig – Mehr Ruhe und Selbstvertrauen für dein Kind“ für Kinder von 6–10 Jahren verbinden wir unter anderem kindgerechte Atemübungen, Bewegung und Kinderyoga, Fantasiereisen, Gefühlsarbeit, Entspannung und kleine Rituale.
Nicht mit dem Anspruch, dass ein Kind anschließend immer ruhig sein muss.
Sondern damit es seinen eigenen „Werkzeugkoffer“ Stück für Stück erweitern kann.
Denn Selbstregulation bedeutet nicht, keine großen Gefühle zu haben. Es bedeutet, zunehmend Wege zu finden, mit ihnen umzugehen.
Du möchtest dein Kind dabei unterstützen, seine Gefühle besser wahrzunehmen, zur Ruhe zu finden und eigene Strategien zur Regulation kennenzulernen?
In meinen Angeboten zur Kinderentspannung & Stressprävention in Berlin begleite ich Kinder spielerisch dabei, ihren eigenen Werkzeugkoffer für starke Gefühle, Stress und innere Unruhe zu erweitern.
Hier findest du meine Angebote zur Kinderentspannung für Kinder von 4–10 Jahren.
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